Unser Weg zur Musik

Die Begeisterung für Musik muss wohl schon sehr frühzeitig ausgebrochen sein. Familienerzählungen besagen, dass die Krippenerzieherin wohl beim Singen nicht so gerne neben mir gesessen hätte, weil mein Gesang laut und emotional aber nicht immer treffsicher gewesen sein muss. Meine Erinnerungen daran sind glücklicherweise lückenhaft.

In guter Erinnerung sind jedoch musikalische Experimente mit damals noch einfachster Technik, zum Beispiel das Mitschneiden von Filmmusik („Winnetou“, „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“) bei strengster Unterlassung jeglicher Nebengeräusche im Raum, da die Musik aus dem Fernsehen nur durch das Mikrofon des Kassettenrecorders aufgenommen werden konnte. Auch an das „Kopieren“ einer Langspielplatte der Nachbarn, bei der wir schweigend um den Tisch saßen, während die Platte abgespielt und per Mikrofon aufgenommen wurde, kann ich mich noch gut erinnern.

Die obligatorische Blockflöte, Muttis Akkordeon und eine 1979 mühsam erstandene Gitarre wurden die ersten eigenen Musikinstrumente, die ich erlernte. Erste eigene Aufnahmen von mir machte ich mit dem heiß geliebten Kassettenrecorder, um mit mir selber Kanon zu singen oder zum eigenen Gitarrenspiel Blockflöte zu spielen. 

Lagerfeuermusik und musikalische Umrahmung von Familienfeiern in interessanten Instrumentenkombinationen (z.B. Akkordeon, Posaune und Gitarre) waren etwas später die ersten Schritte in Richtung Unterhaltungsmusik. 

Meine gesanglichen Fähigkeiten müssen sich mit der Zeit etwas verbessert haben, zumindest kann ich mich an ein von mir gesungenes Solostück („Wer möchte nicht im Leben bleiben“) im Schulchor der damaligen Freiberger Lenin-Schule unter der Leitung meines Musiklehrers Herrn Kasper erinnern. 

Während des Studiums der Forstwissenschaften in Tharandt erlernte ich das erste Blechblasinstrument, das Jagdhorn, was heute noch bei meinen Veranstaltungen der Rucksackwaldschule Verwendung findet.

Mit meinem Urgroßvater Georg Barthel aus Bräunsdorf gab es in der Familie schon einmal einen Unterhaltungsmusiker, der  auf Dorffesten, bei Geburtstagen und ähnlichen Vergnügungen mit einer kleinen Kapelle musizierte. Er spielte Harmonika („Zerrwanst“), mehrere Blechblasinstrumente und Klarinette, die glücklicherweise in der Familie erhalten blieb.

    

Georg Barthel (oben mit Klarinette und Tenorhorn, unten im linken Bild ganz rechts und  im rechten Bild dritter von rechts)

Mit dem Wunsch meiner Tochter Anna, dessen Klarinette wieder spielbar zu machen und dieses Instrument zu erlernen, um im Bergmusikkorps Saxonia spielen zu können, bot sich in etwas höherem Alter die Möglichkeit, auch selbst doch noch ins ernsthafte Orchesterspiel einzusteigen. Da mir aus pädagogischen Gründen abgeraten wurde, das gleiche Instrument wie meine Tochter zu erlernen und neben zwei Klarinetten auch noch eine Posaune ungenutzt auf unserem Dachboden herumdümpelte, entschied ich mich für dieses Instrument, obwohl mir das Auffinden der richtigen Zugpositionen der Töne anfangs mehr als unbegreiflich erschien. Die genial einfache Bauweise und das für die Marschmusik nicht unerhebliche geringe Gewicht dieses Instrumentes überzeugten mich jedoch. Außerdem genießen Posaunisten das Privileg, aufgrund des Platzbedarfs des Posaunenzuges beim Marschieren stets in der ersten Reihe zu laufen, was die Lärmbelastung der Ohren erheblich verringert. Mit Peter Bruckner vom Freiberger Stadttheater als Lehrer und mit Unterstützung der Kollegen vom Orchester ging es schnell vorwärts, so dass ich mich nach einem Jahr mit gehörigem Altersabstand zu meinen Mitspielern im Nachwuchsorchester des Bergmusikkorps wiederfand. Auch Anna machte sehr gute Fortschritte. Seit 2013 musizieren wir beide nun im „großen Orchester“ des Bergmusikkorps und freuen uns, inzwischen auch ein weiteres Familienmitglied dort integriert zu haben:

Im YouTube-Kanal des Bergmusikkorps findet sich unter anderem eine Version von „Mein kleiner grüner Kaktus“ als Solostück für vier Posaunen, gespielt zum Jahreskonzert 2016.

Im Februar 2016 fand der erste öffentliche Auftritt in der Unterhaltungsmusik statt, damals noch mit Veit Göhler (ebenfalls Posaune) als „Dudeliös“. Obwohl sehr gelungene Geburtstagsfeiern, Kinderprogramme und Weihnachtsfeiern folgten, führten unterschiedliche konzeptionelle Vorstellungen Ende 2016 zur Auflösung der „Dudeliös“, so dass ich nun in der sehr angenehmen und vielseitigen Kombination von Posaune und Klarinette mit meiner Tochter Anna Musik und Unterhaltung zu gelungenen Veranstaltungen für Jung und Alt verbinden möchte. Zukunftstraum ist die Kombination Posaune und Bassklarinette und wir hoffen, spätestens im gesegneten Alter von 80 Jahren unseren Instrumenten ebenfalls so zarte aber auch kraftvolle Töne entlocken zu können wie Klarinettenkünstler Giora Feidman, mit dem Anna im Januar 2017 ein sehr schönes Erinnerungsfoto beim Konzert „Feidman plays Beatles“ machen durfte.

Wer die Klarinette seelenvoll bläst, scheint der ganzen Welt, ja den himmlischen Wesen selbst eine Liebeserklärung zu machen. (C. D. Schubart 1784)